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mein Berlin

seit ich mein neues Fahrrad habe, entdecke ich Berlin wieder neu. Im neuen Anflug eine sportlichen Phase, die mich von Zeit zu Zeit überkommt (Sport ist gut gegen Liebeskummer) gehe ich erst morgens 1h im Mauerpark joggen und dann gehts mit dem Rad zur Arbeit, 1h hin, 1h zurück. Dabei durchquere ich 4 Stadtteile, die jede in intwa so gross sind, wie eine Westdeutsche grössere Stadt, allein Prenzlauer Berg hat ja 480 000 Einwohnner. Dann ab durch Mitte, Kreuzberg und schliesslich das schlechte alte Neu Kölln, wo ich schon am Rande von Tempelhof angekommen in einem ecklusiven Altersheim die persönliche Gesellschafterin einer 97 jährigen Dame bin, die zwar dement ist, mich inzwischen aber schon erkennt. Zu diesem Job kam ich wie die Jungfrau zum Kinde, aber was solls, die 3h gehen schnell rum, ich tue was gutes (schadet auch nicht) und das Geld kann eine "brotlose" Künstlerin auch gut gebrauchen.

Was ich feststelle ist dass sich verdammt viel getan hat, bautechnisch. Die vielen Baustellen, die wirklich das Stadtbild bestimmen und die uns Berliner seit dem Mauerfall quälen sind alle fertig. Prächtige neue Alleen wachsen wie Pilze aus dem Boden, genauso wie protzige Regierungsviertel und Einkaufscentren. Was fertig ist ist neu, schön und ein wenig gigantoman. Aber was solls, Hauptstadt halt...Andererseits tun sich neue Baustellen auf, an Stellen die vorher durchfahrbar und begehbar waren. Im Grunde ändert sich nichts, es verlagert sich nur...

Jeden Mittag stehe ich mit dem Rad an der Ampel am Kottbuser Tor und warte darauf mich in den Kreisverkehr einreihen zu können, am engen Nadelöhr nach NeuKölln, einem Stadtteil, den man durchaus als Türkenslum bezeichnen kann, wenn man böse will. Meint man es gut, dann ist er sehr bunt...es herrscht aber Monokultur.

Hier an eben dieser Ampel, aus der Adalberststrasse kommend, ist eine kleine Verkehrsinsel, direkt am Eingang zum berüchtigten U-Bahn Schacht Kottbusser Tor, auch als "Kotti" bekannt. Berüchtigt deshalb, weil hier die verkommenste Junkieszene verkehrt. Gut Junkieszene ist immer verkommen, es sei denn man heisst Amy Winehouse und Keith Richards und den Stoff ins Hotel geliefert bekommt...Die Ampelphase ist hier besonders lang und ich beobachte. Das Geschehen hier auf dem kleinen Platz wird von einem türkischen älteren Herrn beherrscht, der wohl sowas wie der hiesoge Junkiepate sein muss. Er selbst sieht stolz und stattlich aus, gut angezogen, ein prächtiger weisser Schnurrbart ziert sein markantes Gesicht, er ist rüstig und stolz. Er ähnelt dem Schauspieler Omer Sharif im Film "Monsieur Ibrahim und die Blume des Koran". Warum er sich gerade diesen Arbeitsplatz und dieses Gewerbe ausgesucht hat, anstatt wie die meisten seiner Landsleute dem Gemüsehandel nachzugehen, werde ich sicher nie erfahren. Um ihn herum grupieren sich die traurigen, kaputten Gestalten, wie die Motten um das Licht. Manch einer nutzt die Mittagssonne, die im Oktober noch sehr warm sein kann, um sich gemütlich einen Schuss zu setzten. Eine echte Kottiidylle eben....Ich weiss, ich bin zynisch, aber hey, ich bin nur eine Beobachterin. Endlich schaltet die Ampel und ich kann weiterstrampeln. Weiter, durch den Kottbusser Damm, Richtung Hermannplatz.

18.10.07 19:00
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Denise / Website (18.10.07 19:06)
Berlin ist wirklich interessant, besonders weil man es immer und immer wieder neu kennen lernt

Gruß Denise


elisandra (18.10.07 19:07)
ach, findst Du auch?

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